top of page

Warum Selbstfürsorge wichtiger ist als Perfektion

  • Autorenbild: Jackie von KetoCoaching.ch
    Jackie von KetoCoaching.ch
  • 29. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Eigentlich wissen wir es ja.


Wir wissen, dass Bilder in sozialen Medien und in der Werbung bearbeitet werden.

Wir wissen, dass Filter existieren.

Wir wissen, dass die perfekte Figur, die makellose Haut und das scheinbar perfekte Leben oft nur ein kleiner Ausschnitt der Realität sind.


Und trotzdem wirken diese Bilder.


Tag für Tag.

Bild für Bild.

Unbemerkt.


Sie brennen sich in unser Gehirn ein und werden irgendwann zum Massstab, an dem wir uns selbst messen.


Dabei tun wir oft bereits so viel für uns...


Wir bewegen uns.

Wir gehen spazieren.

Wir achten auf unsere Ernährung.

Wir schlafen ausreichend.

Wir kümmern uns um unsere Gesundheit.


Ich mache zum Beispiel regelmässig Pilates, ergänze es mit etwas Krafttraining und versuche gut für meinen Körper zu sorgen.


Und dann passiert es trotzdem.

Man geht einkaufen.

Nimmt ein paar Kleidungsstücke mit in die Umkleidekabine.

Vielleicht sogar einen Bikini.


Und plötzlich steht man da.


Unter diesem grellen, unbarmherzigen Licht von oben.

Mit Spiegeln aus jedem Winkel.


Und denkt:


„Warum komme ich eigentlich auf die Idee, noch einen Bikini anzuprobieren?“ 🙈


Und plötzlich überkam mich dieses Gefühl:

„Was habe ich mir dabei bloss gedacht?“


Dabei war ich ganz alleine mit mir selbst am Hadern.

Niemand sonst hat mich bewertet.

Keine fremden Kommentare.

Nur meine eigenen Gedanken.


Und wahrscheinlich kennen genau das viele Menschen: Man geht ganz neutral in die Umkleidekabine hinein ...und kommt mit einer kleinen Lebenskrise wieder heraus. 😅


In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie schnell wir vergessen, was unser Körper jeden Tag für uns leistet.


Statt an all die gesunden Entscheidungen, die ich täglich treffe, sehe ich plötzlich nur noch das, was nicht perfekt ist.


Genau hier beginnt für mich der Unterschied zwischen Perfektion und Selbstfürsorge.


Denn objektiv hat sich in diesem Moment nichts verändert.

Mein Körper ist derselbe Körper wie eine Stunde zuvor.


Der Körper, der mich täglich trägt.

Der mich durch den Alltag bringt.

Der trainiert.

Der arbeitet.

Der lacht.

Der lebt.


Verändert hat sich nur mein Blick auf ihn.


Vielleicht, weil wir über Jahre gelernt haben, unseren Körper eher zu bewerten als wertzuschätzen.


Deshalb glaube ich, dass Selbstfürsorge mehr ist als Sport oder gesunde Ernährung.

Selbstfürsorge bedeutet auch, sich bewusst zu machen, welchen Bildern und Botschaften wir täglich ausgesetzt sind.



Verschiedene Hunderassen bei einer Ausstellung als humorvolle Darstellung dafür, dass Körper unterschiedlich sind und nicht einem Ideal entsprechen müssen.

Und sich immer wieder daran zu erinnern:

Wir haben keine normierten Körper und müssen nicht an einer Ausstellung bewertet werden.

Wir sind alle unterschiedlich gebaut...Genetik ,Alter, Hormone, Stress, Schwangerschaften oder Krankheiten hinterlassen spuren - das ist normal.



Das heisst jetzt nicht, sich einfach gehen zu lassen, oder die eigene Gesundheit egal zu finden.

Für mich geht es darum den eigenen Körper besser zu verstehen, ihm zu geben was er wirklich braucht, und liebevoll mit dem umzugehen was wir haben.


Mein Körper ist nicht dafür da, perfekt auszusehen.

Er ist dafür da, mich durchs Leben zu tragen.


Selbstfürsorge bei ADPKD - ein persönlicher Gedanke


Vielleicht berührt mich dieses Thema auch deshalb besonders, weil ich selbst mit ADPKD lebe.

Bei vielen Betroffenen verändert die Krankheit den Körper sichtbar.

Vergrösserte Nieren oder Leberzysten können dazu führen, dass sich der Bauch verändert, obwohl man auf seine Ernährung achtet und sich bewegt.


Und ja, manchmal kann das herausfordernd sein.


Gerade in einer Welt, die uns ständig vermittelt, wie ein Körper auszusehen hat.

Ich kenne diese Momente selbst.

Momente, in denen man in den Spiegel schaut oder Kleidung anprobiert und sich fragt, warum der eigene Körper nicht einfach mitmacht.


Doch mit den Jahren habe ich gelernt, dass ich nicht mein ganzes Leben um meine Zysten herum aufbauen möchte.

Natürlich kümmere ich mich um meine Gesundheit.

Natürlich informiere ich mich.

Natürlich nehme ich die Erkrankung ernst.

Aber ich möchte ihr nicht meine gesamte Aufmerksamkeit schenken.


Denn mein Leben besteht aus mehr als einer Diagnose.


Mein Körper ist mehr als meine Nieren.

Mehr als mein Bauch.

Mehr als das, was andere Menschen vielleicht sehen oder zu sehen glauben.


Nicht jeder Mensch mit ADPKD sieht gleich aus.

Nicht jede Veränderung ist sichtbar.

Und nicht jeder möchte darüber sprechen.

Das ist etwas sehr Persönliches.


Was wir aber alle verdienen, ist ein wenig mehr Mitgefühl – von anderen, aber auch von uns selbst.

Denn unser Wert hängt nicht davon ab, wie flach unser Bauch ist.

Und auch nicht davon, ob unser Körper einem Ideal entspricht.

Vielleicht bedeutet Selbstfürsorge nicht, den perfekten Körper zu erreichen.

Vielleicht bedeutet Selbstfürsorge, den Körper, den wir heute haben, gut zu behandeln.


Ihn zu bewegen.

Ihn zu nähren.

Ihm Ruhe zu gönnen.

Und ihm mit etwas mehr Freundlichkeit zu begegnen.

Denn am Ende ist Selbstfürsorge wichtiger als Perfektion.

Kommentare


bottom of page